
15.07.26 –
Fußball verbindet und bringt Menschen zusammen! Das ist der Anspruch mit dem der Fußball weltweit und insbesondere Großereignisse, wie die Weltmeisterschaft der Männer in diesem Sommer, werben. "Die Welt zu Gast bei Freunden" hieß es noch als offizielles Motto der letzten Männerfußball-WM in Deutschland 2006. Doch diesem Anspruch steht eine Realität gegenüber, in der Diskriminierung aufgrund der sexuellen und geschlechtlichen Identität weiterhin zum Alltag gehört und Queer-Sein im Fußball sowohl ein erhebliches Karriererisiko darstellt, als auch die Gefahr von Hass, Hetze und Gewalt birgt - insbesondere im Männerfußball. Queer-Feindlichkeit hingegen ist sehr offensichtlich kein Karriererisiko für männliche Fußballer und zieht auch keine ernsthaften sportlichen oder persönlichen Konsequenzen nach sich - während queere Menschen jeden Tag mit den gesellschaftlichen Konsequenzen leben müssen. Hier klaffen Anspruch und Realität weit auseinander.
Vor diesem Hintergrund betrachten wir es mit Sorge, wenn queerfeindliche Äußerungen, Gesten und Social Media-Beiträge, aktuell auch von Fußballern des deutschen Männer-Nationalteams, größtenteils ignoriert, unkritisch weggelächelt, als Randthema abgetan, oder unter Berufung auf Religionsfreiheit gerechtfertigt
werden - in der medialen Berichterstattung, im öffentlichen Diskurs, von Fußballverbänden und -vereinen, von Mitspielern und auch von vielen Fans. Oft
wird sich auch darauf zurückgezogen, dass "Fußball nicht politisch sei" oder dass man "Fußball und Politik trennen wolle". Aber natürlich ist Sport immer auch politisch, gerade Fußball hat eine riesige gesellschaftliche Relevanz. Nicht umsonst wird auch immer wieder versucht insbesondere die Großereignisse zu instrumentalisieren und für Sportswashing zu nutzen. Aussagen von Profisportler*innen, Influencer*innen und öffentlichen Persönlichkeiten im
Fußball mit teilweise enormer globaler Reichweite haben Vorbildcharakter – insbesondere für junge Menschen. Die Religionsfreiheit ist ein Grundrecht unserer Verfassung und schützt individuelle Glaubensüberzeugungen - sie darf jedoch nicht als Deckmantel für die Diskriminierung queerer Menschen genutzt
werden, auch hiervor besteht ein grundrechtlicher Schutz. Und sie entbindet auch nicht von der Kritik an abwertenden Aussagen oder Handlungen. Menschenwürde,
Gleichberechtigung und die Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt sind Grundwerte einer demokratischen Gesellschaft. Diese Werte dürfen nicht zur Disposition stehen. Wir müssen sie aktiv verteidigen, wenn sie angegriffen werden - auch und gerade wenn es sich dabei um prominente Profi-Fußballer handelt.
Wir sagen ganz klar: der Fußball und Sport im Allgemeinen müssen ein Raum für Alle sein. LSBTIQ*-Personen müssen in allen Bereichen des Sports sichtbar und sicher sein können. Offene und vielfältige Vorbilder im Profisport leisten einen wichtigen Beitrag für gesellschaftliche Akzeptanz. Und queere Jugendliche haben das Recht, sich im Sport willkommen und respektiert zu fühlen. Aber, wenn eigentlich begrüßenswerte Gesten der Sportlichkeit und Zusammenkunft unter
Spielern im Männerfußball, wie das gemeinsame Beten nach einem Spiel des deutschen Nationalteams, gefeiert werden, gleichzeitig aber der kritische Diskurs zu menschenfeindlichen Haltungen der selben Spieler aufgrund des selben Glaubens, keinen Platz findet, wird der Fußball diesem Anspruch nicht gerecht. Positive Berichterstattung darf problematische Positionen nicht ausblenden.
Eine Fußball-WM soll Spaß machen, sportliche Leistung feiern und Gemeinschaftlichkeit herstellen. Aber nicht auf Kosten davon, dass diskriminierende Haltungen normalisiert werden. So werden Barrieren aufrecht erhalten, die schon seit Jahren queere Menschen davon abhalten, sich offen im Profisport zu zeigen.
Eine Fußballkultur, die wirklich verbindet und Menschen zusammenbringt, gibt queeren Menschen Raum, nicht queerfeindlichen Haltungen!
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